Leseprobe 6

Kurzmitteilung


Eine Katze und jede Menge Helden

von Cat T. Mad

Supermarktmitarbeiter Justus schwärmt heimlich für einen Feuerwehrmann der nahe gelegenen Wache. Die beiden lernen sich rascher kennen, als Justus es für möglich hält. Nur die Umstände sind in seinen Augen nicht … ganz so optimal.

Leseprobe:

Während ich den Pizzakarton über den Scanner ziehe, schaue ich so unauffällig wie möglich zur Tür. Anschließend auf meine Armbanduhr. Jetzt dürfte es nicht mehr lange dauern.

»Das macht 7 Euro 95«, lasse ich den Kunden wissen.

Nachdem ich abkassiert habe, gucke ich dem älteren Herrn beim Verlassen des Ladens nach. Mein Herz stolpert, dann beginnt es zu rasen. Da kommt er. Heute hat er wieder seine zwei Kollegen im Schlepptau. Die begleiten ihn fast immer, wenn er herkommt. Wahrscheinlich kaufen sie für die ganze Wache ein. Normalerweise gehöre ich ja tatsächlich zu der Sorte Mann, für die innere Werte Priorität haben, aber der Typ ist wirklich eine wahr gewordene Fantasie. Das T-Shirt der Feuerwehr schmiegt sich an seine breite Brust und die muskulösen Arme.

Ein Räuspern reißt mich aus dem Schmachten. Ertappt sehe ich hoch. Vor mir steht meine Kollegin Erika, die mich frech angrinst. »Fehlt nicht viel und du sabberst, Justus.«

»Pfffft. Das bildest du dir ein.«

Erika lacht und schüttelt den Kopf. Dabei schwingt ihr dunkler Pferdeschwanz von links nach rechts.

»Hallo«, begrüßt uns die Dreiertruppe, als sie mit einem Wagen am Kassenbereich vorbeikommt.

»Hallo«, grüßt Erika lächelnd zurück. Ich schaffe nur ein Nicken. Wie immer. Ich bin nicht auf den Mund gefallen und auch nicht schüchtern, doch sobald der Kerl den Supermarkt betritt, ist mein Sprachzentrum lahmgelegt. Außerdem leide ich dann unter einem Spontanausfall meines Hirns. Es verbrennt und ich wünschte mir Mister-Heiß-und-von-der-Feuerwehr würde es löschen. Nicht unbedingt mit Wasser, aber …

»Atmen, Justus. Atmen.«

Ich hole tatsächlich tief Luft und schaue zu Erika. Ihr steht deutlich ins Gesicht geschrieben, dass sie kurz vor einem Lachanfall ist. Sie grinst von einem Ohr zum anderen und die sonst kleinen Fältchen um die Augen wirken schlagartig wie der Marianengraben.

Panisch gucke ich mich um, ob jemand was von meiner Reaktion und ihrem Hinweis mitbekommen hat, doch weit und breit ist niemand zu sehen. Es genügt schon, dass ich gleich beim Abkassieren rote Wangen bekomme und trotz meiner fast dreißig wie ein pubertierender Teenager reagieren werde.

»So, ich geh mal die Regale auffüllen«, seufzt Erika. »Vielleicht solltest du ihn einfach ansprechen?« Sie zwinkert mir zu und verschwindet in Richtung des Lagers.

Nun bin ich es, der seufzt. Was soll ich ihm denn sagen? Das hier ist schließlich kein Club, in dem man locker ins Gespräch kommen könnte, sondern ein Supermarkt. Außerdem funktioniert mein Gaydar bei ihm nicht. Normalerweise reicht ein Blick in die Augen meines Gegenübers und entweder fängt mein Bauch an zu kribbeln … oder eben nicht. Bei ihm ist es anders. Ich habe, seit er das erste Mal den Laden betreten hat, eine Horde winziger Kängurus im Bauch, die früher mal die Hauptrolle in Riverdance gehabt haben müssen. Sie steppen. Eindeutig.

Klar gibt es immer mal wieder Kerle, die klasse aussehen, aber der hat mich von den Socken gehauen. Das ist mir noch nie passiert.

Lachen schwappt in den Kassenbereich. Es ist die Dreiergruppe, die sich gerade über etwas amüsiert. Ein böses kleines Teufelchen flüstert mir, dass sie sich womöglich über mich unterhalten und darüber, wie dämlich ich mich immer benehme, wenn sie hier sind. Ich schnaufe genervt. Die Tanzgruppe in meinem Magen hat nämlich auch mein Selbstbewusstsein plattgemacht, als er vor vier Wochen das erste Mal hier reingekommen ist. Wenn so ein Adonis an einem vorbeiläuft, kann man sich schon mal minderwertig fühlen.

Ich höre deutlich, dass die Gruppe sich der Kasse nähert. Sekunden später kommen sie mit einem prall gefüllten Einkaufswagen um die Ecke. Obwohl auch seine beiden Kollegen ganz passabel sind, sticht er mit seinen schwarzen kurzen Haaren und den giftgrünen Augen absolut hervor. Von seiner Größe mal abgesehen. Das sind locker 1,95 Meter.

Sie fangen an die Ware auf das Band zu legen und ich konzentriere mich auf ihren Einkauf, um nicht in schmachtendes Starren zu verfallen. Die drei unterhalten sich, aber mein leerer Verstand nimmt es nur unterschwellig wahr. Was ich jedoch sofort registriere, ist, wie das Objekt meiner Begierde an mir vorbeigeht und beginnt die bereits eingescannte Ware in Taschen zu verstauen. Dabei beugt er sich immer wieder leicht nach vorne. Ein angenehm riechendes Aftershave wabert zu mir herüber und vernebelt meine Sinne noch mehr. Mein Herz legt noch einen Gang zu, während verräterische Hitze meinen Hals hinaufkriecht. Es wird nicht lange dauern, dann erreicht sie die Wangen und Ohren. Die Scham darüber beschleunigt das Ganze und ich sehne mich nach einem Loch im Boden.

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