Leseprobe

Kurzmitteilung


Ein Held im rechten Moment

von Sandra Black

Der alleinerziehender Vater Chris, kann ein Geburtstagsversprechen an seine Tochter nicht halten und muss sich ihrem Unmut stellen. Dann aber taucht der charmante Fotograf Clark auf. Schafft es Clark, sich in dem Leben der kleinen Familie ein Plätzchen zu erobern?

Leseprobe:

»Was? Aber du hast es mir versprochen. Oma sagt immer, man darf sein Versprechen nicht brechen«, quengelte eine Kinderstimme durch die Wohnung, was Chris frustriert knurren ließ. Er hatte geahnt, dass er nicht einfach so davonkommen würde. Dass sie ihn irgendwann zur Rede stellte und es nicht auf sich beruhen ließ. Er war wirklich verdammt naiv gewesen.

Stur sah er weiter auf das Spülwasser im Waschbecken und schrubbte hartnäckig über einen Soßenfleck, welcher sich allmählich auflöste. Am besten, er tat einfach so, als habe er Serina, seine fünf Jahre alte Tochter, nicht gehört. Sie würde es garantiert ganz schnell vergessen, was allerdings ebenso an Naivität grenzte wie, als er dachte, er könnte sein Versprechen mühelos umgehen und sich klammheimlich aus der Affäre ziehen.

Das Poltern von ihren Schritten, als sie in die Küche gerannt kam, sagte ihm, dass er sich ganz schnell eine gute Antwort ausdenken musste. Eine wirklich sehr, sehr gute. Seine Gedanken wirbelten umher und gingen mehrere Szenarien durch, die er im nächsten Moment wieder verwarf.

»Papa!«

Serina war eindeutig ungehalten und etwas quengelig. Das vernahm er an ihrem Tonfall, der kurz davor war, in die Tonart überzugehen, die Chris absolut nicht mochte und die er hier in der Wohnung auch nicht duldete. Das wusste seine Tochter nur zu genau. Um das nicht auch noch zu provozieren, atmete er tief ein und aus und drehte sich langsam zu ihr um. In der einen Hand hatte er die Bürste, mit der er eben noch die letzten Essensreste vom Teller geschrubbt hatte. Da sie aber tropfte, legte er sie doch lieber in das Spülbecken zurück, um noch ein wenig Zeit zu gewinnen, ehe er ihr antwortete.

»Ich weiß, was ich dir versprochen habe. Aber du weißt auch, dass wir letzte Woche einen Rohrbruch hatten. Das Geld reicht nicht mehr für das Ponyreiten. Es tut mir leid«, erklärte Chris in einer ruhigen Tonlage, von der er sich erhoffte, dass sie Serina beruhigen möge. Falsch gedacht, denn sie verzog fast wie auf ein stummes Signal hin die Lippen. Die Mundwinkel sanken immer weiter nach unten und auch ihre Hände ballten sich.

»Das ist nicht fair. Du hast es mir schon vor zwei Monaten versprochen«, murmelte sie gefährlich ruhig, während ein Beben durch ihren Kinderkörper wanderte. Chris seufzte innerlich tief. Sie zum Weinen bringen war das Letzte, was er wollte. Seine Tochter lag ihm sehr am Herzen, vor allem als sie eines Tages mit ihrer Mutter einfach vor seiner Tür stand.

An dem Tag war Serina gerade mal ein Jahr alt gewesen. Lang hatte er Marie, ihre Mutter, nicht mehr gesehen, doch sie erklärte ihr Auftauchen schnell. Dass er der Vater dieses kleinen Mädchens war.

Chris wollte es erst nicht glauben. Natürlich hatte er damals eine Nacht mit Marie verbracht, auch wenn eher aus dem Grund, um sich zu überzeugen, dass er auf Frauen stand. Es war nicht wirklich die feine englische Art gewesen und er hatte es ihr wenige Tage danach auch gebeichtet.

Dass er nicht mit ihr zusammen sein konnte, weil er wohl doch eher den Männern zugetan war. Marie hatte geschwiegen und nichts weiter dazu gesagt, sie ging einfach. Sie hatten einander bis zu ihrem Auftauchen nie wiedergesehen. Als sie bei ihm vor der Tür stand und ihn aufklärte, hatte er direkt einen Vaterschaftstest gefordert, denn Chris konnte es nicht glauben. Sie willigte sofort ein und wohnte für die Zeit, die der Test benötigte, bei ihm. Als er an einem Tag von der Arbeit heimkam, war Marie verschwunden, Serina weinte aus Leibeskräften und der geöffnete Brief mit dem Ergebnis lag auf seinem Wohnzimmertisch. Zuerst hatte er das Mädchen etwas hilflos beruhigt. Er wusste zu dem Zeitpunkt wirklich über gar nichts, was mit Babys zu tun hatte, Bescheid und war ziemlich aufgeschmissen. Erst als Serina mit feuchten Äuglein ruhig in seinem Arm lag, griff er sich den Brief und las das Testergebnis. Es war positiv. Er war zu 99,99 % der Vater, was ihm den Boden unter den Beinen wegzog.

Schwerfällig ließ er sich auf dem Sofa nieder und starrte abwechselnd zwischen dem Baby und dem Papier hin und her.

Er wusste noch genau, wie hilflos er sich damals fühlte. Dass er minutenlang keinen einzigen Knochen im Leib rührte und am liebsten weinen und schreien zugleich wollte.

Er hatte es dann doch gelassen und irgendwann den Brief beiseitegelegt, um mit dem Finger gegen das kleine Näschen zu stupsen.

»Du und ich. Wir schaffen das«, murmelte er leise und bekam einen langen Blick geschenkt. Dann aber hob die kleine Serina ihre Hand und umfasste den Finger, mit dem er sie gerade noch an der Nase geneckt hatte. Für Chris war es ein Beweis, dass sie sich auf ihn und er sich auf sie einlassen würde.

»Ich weiß es doch. Aber wir haben nun mal dank des Rohrbruchs kein Geld mehr. Ich verspreche dir, dass ich es wiedergutmache«, meinte Chris, doch Serina gefiel die Option nicht.

»Das glaube ich dir nicht. Du wirst das Versprechen genauso brechen wie das, dass wir zu meinem Geburtstag Ponyreiten gehen. Ich habe mich so darauf gefreut«, schrie sie ihm entgegen und lief weinend aus der Küche. Es dauerte nicht lang, bis er das Zufallen ihrer Kinderzimmertür hörte. Es war eindeutig unangebracht, dass sie ihn anschrie, doch er sah es ihr nach, da er sie mit dieser Entscheidung hart getroffen hatte. Der Rohrbruch war aber nun mal wichtiger gewesen. Wenn nicht, hätten sie kein Wasser mehr gehabt. Weder für die Hygiene noch fürs Kochen oder dergleichen.

Kopfschüttelnd sah Chris noch einmal auf den leeren Türrahmen. Er konnte da wirklich nichts machen. Sie hatten kein Geld derzeit und das Ponyreiten war auch nicht unbedingt billig, da Serina ja noch Freunde aus dem Kindergarten einladen wollte. Es war hart, doch so war das Leben.

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